Pflichtenheft vs. agile Softwareentwicklung

Was ist besser: Pflichtenheft oder agile Softwareentwicklung?

24.08.2022

Der Entwicklungsprozess: flexibel oder bindend?

 

Wer ein digitales Produkt entwickeln lassen möchte, stellt sich vorab einige Fragen. Das ist auch richtig und wichtig. In Bezug darauf, ob nach Pflichtenheft gearbeitet wird oder es ein agiler Entwicklungsprozess sein soll, ist vor allem eine Frage grundlegend:

 

Soll die gesamte App oder Software schon komplett durchgeplant sein,

bevor die Entwicklung startet? 

 

Haben wir schon von Beginn an einen Plan, der dann exakt so umgesetzt wird? Dann bewegen wir uns im Bereich von Lasten- und Pflichtenheft.

 

Oder nehmen wir uns die Freiheit, während der Entwicklung immer wieder Anpassungen und Änderungen vornehmen zu können? Dann eignen sich agile Entwicklungsmethoden.

 

Pflichtenheft vs. agile Softwareentwicklung: Egal, für welche Methode man sich entscheidet, die Wünsche der Kundinnen und Kunden stehen immer an erster Stelle und müssen professionell realisiert werden.

 

Was ist ein Pflichtenheft?

 

Das Pflichtenheft ist an die klassische Entwicklung gekoppelt. Jemand möchte ein Produkt entwickeln lassen und es wird eine Agentur beauftragt. Bevor es losgehen kann, müssen die Ansprüche an das Produkt allen Beteiligten klar sein.

 

Pflichtenheft als Dokument

Heißt: Die Auftraggeber:innen müssen wissen, was sie möchten, und der Dienstleister muss die Anforderungen in einem Pflichtenheft schriftlich festhalten. Es ist also ein Dokument, das ganz konkret alle Leistungsanforderungen, Mittel, Termine und die Art und Weise enthält, wie der Auftragnehmer das Projekt umsetzen wird.

Vorteile eines Pflichtenhefts

 

Wer einen Plan hat, hat automatisch eine gewisse Planungssicherheit. Dadurch ergeben sich einige Vorteile der Entwicklung mit Pflichtenheft, die nicht von der Hand zu weisen sind:

 

  1. Die Anforderungen, Inhalte und Funktionen sind klar definiert und schriftlich fixiert
  2. Aufwand und zeitlicher Rahmen können recht zuverlässig abgeschätzt werden
  3. Die Kosten werden in Form eines Festpreises vorab festgelegt
  4. Hohe Effizienz durch genaue Planung
  5. Entwicklungssicherheit für die Agentur

 

Die Anforderungen sind also genauso klar wie das Budget und die Form der Umsetzung. Alles wird im Voraus geplant und dann Schritt für Schritt entwickelt.

 

Zusätzlich kann man den Punkt anführen, dass ein Pflichtenheft zum Vertrag zwischen den Parteien gehört. Dadurch haben automatisch alle eine gewisse Sicherheit. Jeder kann im Nachhinein nachweisen, was genau für Leistungen vereinbart wurden: ein großer Vorteil für beide Seiten.

Nachteile eines Pflichtenhefts

 

Ein Pflichtenheft geht der Entwicklung voraus. Es braucht also eine gewisse Vorarbeit. Steht das Konzept, gibt es keine großartigen Abweichungen mehr - zumindest nicht ganz so einfach. Die Nachteile sind demnach:

 

  1. Die Arbeit rein nach Pflichtenheft ist konsequent und kaum flexibel
  2. Spontane Änderungen sind nicht vorgesehen
  3. Ein Pflichtenheft zu erstellen kostet vorab Zeit
  4. Zeit ist automatisch Geld

 

Zusammengefasst ist ein Pflichtenheft ein Fahrplan, der von einem Auftragnehmer wie beispielsweise unserer Agentur erstellt wird. Es enthält alles, was wir beachten und tun müssen, um die Projekte unserer Kundinnen und Kunden professionell umzusetzen und die Erwartungen zu erfüllen.

 

Was ist ein Lastenheft?

 

Eigentlich hätten wir bei den Definitionen mit dem Lastenheft anfangen müssen. Zumindest, wenn wir der ganzen Thematik chronologisch gerecht werden wollten, denn: Das Lastenheft geht dem Pflichtenheft voraus!

 

Bevor wir als Dienstleister ein Pflichtenheft erstellen können, müssen wir natürlich wissen, was überhaupt zu tun ist. Dafür gibt es das Lastenheft. Darin fassen Kundinnen und Kunden alles zusammen, was von unserer Agentur erwartet wird. In unserem Fall zum Beispiel:

 

  • Was genau möchte der Kunde oder die Kundin?
  • Welche Anforderungen gibt es an uns als Agentur?
  • Welche Anforderungen gibt es an das Produkt?
  • Welche Funktionen braucht die App oder Software?
  • Gibt es bereits Entwürfe für das Design?
  • Gibt es eine Deadline, zu der das Produkt fertig entwickelt sein muss?

 

Erst wenn wir wissen, was gefordert wird, können wie als Antwort auf das Lastenheft ein Pflichtenheft erstellen, nach dem dann gearbeitet wird.

 

Was bedeutet agile Softwareentwicklung?

 

Die agile Softwareentwicklung ist vor allem durch Flexibilität gekennzeichnet. Das gesamte Projekt wird nicht durch ein starres Gerüst begrenzt, das von Anfang an vorgegeben ist. Je größer und komplexer das Projekt, desto wichtiger ist es, dass sowohl der Rahmen als auch die Inhalte problemlos umgestaltet werden können.

Vorteile agiler Programmierung

 

  • Kontinuierliche Verbesserungen und Anpassungen möglich
  • Hohe Transparenz während der Entwicklung
  • Maximale Flexibilität, auch bei unvorhergesehenen Ereignissen
  • Enge Zusammenarbeit zwischen Agentur und Auftraggeber:in

Nachteile agiler Programmierung

 

  • Zeitintensiver Kommunikationsaufwand: Auftraggeber:innen müssen in Form von Feedback aktiv mitarbeiten (Projektbesprechungen)
  • Die genauen Kosten können nicht im Vorhinein festgelegt werden
  • Der zeitliche Rahmen für die Entwicklung kann variieren

 

Die agile Softwareentwicklung ist das, worauf es erfahrungsgemäß bei den meisten Projekten hinausläuft. Viele unserer Kundinnen und Kunden möchten sich die Möglichkeiten offenhalten, die mit der agilen Entwicklung einhergehen.

 

Agil oder durchgeplant? Die Mischung macht’s!

 

Mischung aus Pflichtenheft und agiler Entwicklung

Müssten wir uns entscheiden, würden wir uns primär für agile Entwicklungsmethoden aussprechen. Sie machen vieles einfacher.

 

Das heißt aber natürlich nicht, dass wir nicht vorab immer ein klares Ziel definieren müssen: Da unterscheidet sich die agile Programmierung nicht von der Entwicklung mit Pflichtenheft. Schließlich entwickeln wir nicht einfach ins Blaue hinein. Wie bei allen Leistungen auf unserer Website beschrieben, gibt es immer eine Beratungs- und Konzeptionsphase.

 

Wir möchten auch nicht sagen, dass Lasten- und Pflichtenheft schlecht sind. Die Kosten, die man am Anfang durch den höheren Zeitaufwand hat, den man in Lastenheft und Pflichtenheft investieren muss, spart man am Ende!

 

Sie zu erstellen ist zwar sehr zeitintensiv und kleinteilig, während der darauf folgenden Produktentwicklung aber hilfreich. Die Gedanken, die man sich für Lasten- und Pflichtenheft schon im Vorhinein macht, macht man sich in vielen Fällen später sowieso. Deshalb könnte man eigentlich auch sagen, dass eine Mischform die beste Variante für ein gutes Produkt ist.

 

Dann hieße es weniger Pflichtenheft vs. agile Softwareentwicklung, sondern man könnte den gesamten Prozess eher als agile Entwicklung auf Basis eines Pflichtenhefts bezeichnen.

 

Übrigens: Eine Art "Mini-Lastenheft" gibt es eigentlich immer, wenn auch nur in Form von Stichpunkten. Einfach dadurch, dass sich der Auftraggeber Gedanken über sein Produkt macht, überlegt, was genau er möchte und uns diese Überlegungen i. d. R. schriftlich mitteilt. Sonst wüssten wir überhaupt nicht, was zu tun ist. 😉

 

Fazit

 

Wasserfallmodell in der Entwicklung

In der heutigen Zeit ist die Entwicklung nach dem sogenannten Wasserfall-Modell eher selten. Das heißt, dass es oft kein lineares Konzept mehr gibt, durch das Projekte in verschiedene Phasen eingeteilt und dann stufenweise abgearbeitet werden. Dafür ergeben sich innerhalb der Entwicklung meist noch zu viele neue Ideen oder zusätzliche Wünsche, die noch implementiert werden sollen.

 

Unsere Agentur hat viele Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Softwares, Apps und Websites. Deshalb wissen wir, dass das Arbeiten nach Pflichtenheft in unserem Bereich zwar möglich ist, die Realität im Projektalltag aber oft anders aussieht.

 

Es ergeben sich fast schon zwangsläufig noch Änderungs- oder Anpassungswünsche bei unseren Kundinnen und Kunden, die wir in der agilen Programmierung jederzeit umsetzen können. Selbst diejenigen, die dachten, sie hätten einen strengen Plan und bräuchten keine Flexibilität, stellen im Nachhinein oft fest, dass das nicht stimmt.

 

Gerade in der Entwicklung von Anwendungen und Software ist es fast unmöglich, von Anfang an alles zu berücksichtigen, was am Ende wichtig ist. Dafür sind digitale Produkte schlichtweg zu umfangreich und detailliert. Spätestens ein Kunden- oder Anwenderfeedback kann dafür sorgen, dass sich Änderungswünsche ergeben.

 

So gut wie jeder kennt das aus seinem Tagesgeschäft: Man selbst ist irgendwann viel zu sehr im Thema, als dass man es noch aus einer Außenperspektive heraus beurteilen könnte. Wir als Entwickler sowieso.

 

Erst ein Laie kann noch so manches Problem in der Handhabung aufdecken - oder den Wunsch nach einer zusätzlichen Funktion äußern. In diesem Kontext gibt es die Möglichkeit, eine spezielle Form von Produkt entwickeln zu lassen. Mehr dazu gibt’s in unserem Text über die MVP-Entwicklung: Das Minimum Viable Product.

 

Mehr Informationen

 

FKT42 Information

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